commentaro, Karsten Linke, Kommentator, sportdigital, Sportclips-kommentieren, Kommentator werden

Wie wird man Kommentator: Interview mit Profi-Kommentator Karsten Linke

Erzähl uns kurz etwas zu dir: Wie wird man Kommentator, wann hattest du das erste Mal den Wunsch Profi-Kommentator zu werden und wie bist du bei sportdigital gelandet?

Der damalige Sport-Chef von Sportdigital holte mich 2007 ins Studio Hamburg. Wir beide hatten schon erfolgreich für ran Sat.1 Sport in den 90iger Jahren gearbeitet und so wusste er um meine Expertise als Kommentator in verschiedenen Ballsportarten.

Im Alter von 16 Jahren habe ich eine Reportage von Ben Wett aus New York für das ZDF gesehen und gehört. Ich war fasziniert, begeistert und berauscht ob der Stimme, der Präsentation und der Vielfältigkeit, über Sport berichten zu können. Und aus dem Wunsch in den 70iger Jahren ist seit 28 Jahren Business as usual geworden. Konsequent, ehrgeizig und voller Leidenschaft bin ich den Weg gegangen, um Kommentator zu werden. Mehr als 12 000 Stunden live von Sportereignissen weltweit stehen nun in meiner persönlichen Kommentatoren-Historie.

Was machst du als Erstes, wenn du morgens ins Büro kommst und wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei Dir aus?

Ich begrüße jeden einzelnen Kollegen per Handschlag und erkundige mich nach seinem persönlichen Befinden. Diese Small-Talks sind für mich sehr wichtig, um die Temperatur in einer Redaktion zu fühlen. Ansonsten stehen Content-Planungen, Fragen zu Sendungsabläufen und eigene Vorbereitungen auf die nächsten Livespiele auf dem Zettel.

Wie bereitest du dich auf eine Sendung vor? Oder ist das irgendwann gar nicht mehr nötig?

Die Vorbereitung auf ein Livespiel ist in mehreren Schritten unterteilt:

  • Recherche auf allen möglichen verfügbaren Kanälen
  • Übersicht erstellen der beiden Teams
  • Aktuelle News erfassen und einbauen
  • Struktur der Infos für beide Teams erstellen
  • Notfallkarte mit weiteren Infos erstellen

Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein!

Mit anderen Worten: Wer denkt oder glaubt ohne Vorbereitung in ein Livespiel zu gehen – egal wie viel Erfahrung jemand hat, ist kein seriöser und professioneller Kommentator.

Jetzt plaudere doch mal ein bisschen aus dem Nähkästchen: Erzähl uns von dem kuriosesten oder spannendsten Erlebnis, das du bisher als Kommentator erlebt hast?

Ein Tennisspiel live vor Ort zu kommentieren, dass ich aus meiner Kabine heraus weder via Monitor noch live sehen konnte. Ich habe dies dann auch abgelehnt – getreu dem Motto meines Mentors: Was du nicht weißt oder siehst, kannst Du nicht kommentieren. Während einer Übertragung ist mal die aus Holz gebaute Kabine mit lautem Getöse auseinandergefallen. Ich habe dann auf dem Boden sitzend einfach weiter kommentiert.

Mehr als ungewöhnlich war auch eine Story während der WM 1998 in Frankreich. Damals war ich mit unserem Weltmeister von 1990, Andreas Brehme, vier Wochen lang im Land unterwegs. Und statt nach einem Spiel in St. Etienne mit dem Zug wieder nach Paris zu fahren, dachten wir Schlaumeier uns, nehmen wir einen Zug früher und sind somit schneller wieder im Hotel in Paris. Blöd nur, dass der Zug nur bis Lyon fuhr. Der für uns reservierte Sonderzug von St. Etienne rauschte stattdessen nonstop nach Paris durch – allerdings ohne Brehme und Linke. Die Lösung von Brehme war: wir kaufen uns ein Auto und fahren selbst! Haben wir aber nicht getan, sondern ein Taxi genommen. Super, 3 Stunden mit nur 120kmh über die Autobahn zu gondeln. Wir kamen ungefähr zeitgleich mit dem Zug aus St. Etienne gegen Mitternacht wieder in der Hauptstadt an.

Mehr als spannend und aufregend – also wirklich Gänsehaut-Feeling – gab es bei den Finals live vor Ort bei einem Grand Slam Turnier in Melbourne, Paris und New York. Aber auch auf dem Dach in einer Kabine sitzend im Warsteiner Hockeypark in Mönchengladbach, um die deutschen Hockeyherren 2006 zum WM-Titel zu schreien, bleibt nachhaltig in Erinnerung.

Ich denke, es würde hier den Rahmen sprengen, um von weiteren interessanten Ereignissen der vergangenen 28 Jahre zu schreiben.

Gibt es ein Manko an deinem Job? Vielleicht die Arbeitszeiten?

Da es mein Beruf ist – Beruf kommt von Berufung – habe ich noch nie über mögliche negative Aspekte wie Arbeitszeiten, Wochenenddienste, Reisen etc. nachgedacht. Es sind keine Themen für mich. Ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass ich den tollsten und besten Beruf auf der Welt habe. Auch heute noch kommentiere ich mit großer Leidenschaft und Hingabe jedes einzelne Spiel.

Welche Tipps hast du für die commentaro-Nutzer? Wie wird man zu einem guten Kommentator und schafft den Sprung zum Profi-Kommentator?

  • Geduldig sein
  • Täglich hart an sich arbeiten im Bereich Content, Sprache, Stimme
  • Gute Recherche
  • Tipps und Tricks von erfahrenen Kollegen abschauen
  • Leidenschaft für Sprache, Wortschatz und Kommunikation entwickeln
  • Jede Übertragung mit der Wertigkeit und Überzeugung eines Finals angehen
  • Fragen über Fragen stellen
  • Mutig sein und sich bei Sendern, Plattformen etc. vorstellen
  • Einen Mentor haben
vor 2 Jahren