Marcel Reif

Legendäre Kommentatoren #003 Wolff-Christoph Fuss

„Rooooooooooooobben!!!!! Ein unfassbares Tor!!!“

Wer diese Emotionsexplosion Live miterlebt hat und dabei keine Gänsehaut bekam, hat den Fußball, um es frei nach Rudi Völler zu sagen, wirklich nie geliebt. Es war das 2-3 für den FC Bayern im Champions League Viertelfinale bei Manchester United. Schon in der ersten Halbzeit führten die Red Devils mit 3-0 und die Träume der Bayern schienen im Theatre of Dreams ein jähes Ende gefunden zu haben. Doch dann schenkte Ivica Olic seiner Mannschaft kurz vor dem Halbzeitpfiff wieder Hoffnung. Er erzielte das, zu diesem Zeitpunkt, mehr als unverdiente 1-3, doch so wenig es auch dem Spielverlauf entsprach, bedeutete es, dass Bayern nur noch ein Tor zum Weiterkommen benötigte. Dieses Tor stellte eine gänzlich neue Situation her. In der zweiten Hälfte waren plötzlich die Münchener obenauf und den United Spielern zitterten die Knie.

Es lag etwas in der Luft.

In der 74. Minute legte sich Franck Ribery den Ball zur Ecke zurecht. Die kopfballstarke Innenverteidigung des FC Bayern ging mit nach vorne und die Manchesters Abwehrspieler bereiteten sich auf schwierige Duelle vor. Doch Riberys Ecke flog zur Überraschung aller über den gesamten Strafraum hinweg. Zur Überraschung fast aller.

Denn am hinteren Strafraumeck stand Arjen Robben mutterseelenallein und sah die Flanke perfekt auf sich zu fliegen. Er versierte den Ball an und nahm ihn unnachahmlich mit seinem linken Fuß volley. Der Ball schlug direkt neben dem langen Pfosten, ohne jegliche Abwehrchance für Van der Sar, ein. Und Wolff-Christoph Fuss tat das einzig Richtige in dieser Situation: Er rastete komplett aus.

Der Fußball lebt von Emotionen

Wenn die Rede von emotionalen Kommentatoren im deutschen Fußball ist, dann fällt zwangsläufig der Name Wolff Fuss. Er hat nicht nur eine sehr markante Stimme. Sondern ist seit je her dafür bekannt, sich nicht zurückzuhalten, wenn ihn der Fußball mal wieder mitreißt. Viele deutsche Kommentatoren sind um Objektivität und Sachlichkeit bemüht, doch lassen dabei das vielleicht wichtigste häufig vergessen: die Emotionen. Fußball ist ein Sport, der von den Emotionen lebt.

Ein Tor in letzter Sekunde kann Fans wie Spieler gleichermaßen in Ekstase versetzen. Und diese Emotionen aus dem Stadion vor die Fernsehgeräte zu bringen, ist keine einfache Aufgabe, doch Fuss meistert diese regelmäßig mit bravour. Man könnte ihm unterstellen, er würde sich zu sehr für die eine oder andere Mannschaft freuen, aber wenn man es ehrlich betrachtet, freut er sich einfach über fantastischen Fußball.

Ein holpriger Start

Fuss Karriere begann zunächst mit einem BWL Studium, welches er aber nach kürzester Zeit aufgrund von Desinteresse abbrach. Er hatte es sowieso nur begonnen, um seine Familie glücklich zu machen. Nun war die Frage, wie es weitergehen sollte.

Nachdem er sich mit Nebenjobs über Wasser hielt, kam er durch Zufall zu der Gelegenheit sich als Kommentator auszuprobieren. Es war bei ESPN, die unter anderem die argentinische Liga übertrugen und er bekam die Chance ein Spiel aus Argentinien zu kommentieren, um sein Können unter Beweis zu stellen. Nach eigener Aussage war seine Leistung aber nicht gerade das Gelbe vom Ei und er war sich sicher, seine Chance vertan zu haben.

Zu seiner großen Überraschung, gab ihm der Sender aber kurze Zeit später eine zweite Chance und er war fest entschlossen, diese zu nutzen. Mit der nötigen Vorbereitung und weniger Aufregung legte Fuss eine gute Leistung hin und endete als festangestellter Kommentator bei dem Sender. Dies sollte der Beginn einer steilen Karriere sein.

Vom kleinen Kommentator zur Kultfigur

Von 1999 bis 2009 kommentierte er für Premiere hauptsächlich Spiele aus der englischen Premier League. Woraufhin er eine Saison für LIGA Total! Die Bundesliga kommentierte und dann in Folge seines Wechsels zu Sat1 die Champions und Europa League. Das war die Zeit, in der Fuss in Deutschland der ganz breiten Masse bekannt wurde, da Sat1 als kostenfreier Privatsender für jedermann empfangbar ist.

Die Champions League war genau das richtige für Fuss. Dieser Wettbewerb mit seinen unerwarteten Wendungen und den super spannenden Partien. Als Sat1 aber 2012 die Champions League Rechte an das ZDF verlor, zog es auch Wolff Fuss weiter. Er ging zurück zu Sky (ehemals Premiere) und kommentiert seitdem alle möglichen Wettbewerbe Live und in der Konferenz.

Innerhalb der sechs Jahre bei Sky hat er sich immer weiter hochgearbeitet und ist heute fast immer für die Topspiele zuständig. Was in Deutschland bedeutet, dass der FC Bayern beteiligt ist. Diese Tatsache führte zu Einbußen seiner Beliebtheit bei den Fans. Denn logischerweise ist der Kommentator der immer Bayern kommentiert, ein Bayern Fan. Nichtsdestotrotz ist Wolff-Christoph Fuss noch immer einer der ganz großen Kommentatoren Deutschlands und wird immer für seine emotionsgeladenen Kommentare und seine ungewöhnlich anschauliche Ausdrucksweise bekannt sein.

vor 1 Jahr